Leitziel

„Heute stärken – auf morgen vorbereiten”

Das ist das Leitziel über der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen unserer Schule. Schule ist ein Ort der Wissensvermittlung – aber auch weit mehr als das.
Sie trägt wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler bei.
Wir wollen jede Schülerin und jeden Schüler optimal auf das Berufsleben vorbereiten und setzen uns dafür ein, dass jeder den besten Schulabschluss erreicht, der ihm möglich ist. Wir wollen jede Schülerin und jeden Schüler optimal auf das Zusammenleben in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft vorbereiten. Wir stärken aktiv die Klassengemeinschaften und die Schulgemeinschaft und nehmen uns Zeit für den konstruktiven Dialog aller, die sich in unserer Schule begegnen.

Somit ist unser Leitziel eng verbunden mit den aufgeführten Grundgedanken des politischen Wirkens von Willy Brandt.

„Wandel durch Annäherung“ – diese Formel, 1963 bereits von Egon Bahr geprägt, steht über der vin der ersten sozialliberalen Regierung unter Leitungs Willy Brandts eingeleiteten Ostpolitik. Eine Politik der kleinen Schritte, die anerkennt, was ist, die bipolare Welt, ein geteiltes Deutschland, reale Grenzen, und doch nicht für unerreichbar erklärt, was sein könnte. Eine Politik, die deutsche Schuld unmissverständlich bekennt – verdichtet in dem Bild des Kanzlers, der vor dem Denkmal für die im Warschauer Ghetto ermordeten Juden niederkniet.
Die Ostverträge mit Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, das Viermächte-Abkommen und der Grundlagenvertrag mit der DDR sind Ergebnisse dieser Politik. Kleine Schritte, ein großes Ziel.

„mehr Demokratie wagen“ – mit dieser Wendung charakterisierte Brandt sein innenpolitisches Programm in der Regierungserklärung vom Oktober 1969. Auch die Bildungspolitik sprach er an: das Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land gelte es aufzuheben, um Leistungsreserven zu mobilisieren und die Chancengleichheit als zentralen Auftrag des Grundgesetzes und damit die echte soziale Demokratie zu verwirklichen. Dieser Herausforderung der 1970erJahre ist auch am Anfang des 21. Jahrhunderts noch nicht erfüllt; wie die PISA-Studie gezeigt hat, ist der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg immer noch sehr eng, sind die Leistungen der Schüler/innen in Deutschland im internationalen Vergleich der Industrieländer sehr bescheiden.

„Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“, sagte Willy Brandt, der als Regierender Bürgermeister von Berlin den Bau der Mauer miterlebt hatte, bei der zentralen Kundgebung zur Maueröffnung im November 1989. Gewiss bezog er sich dabei auf die Deutschen in Ost und West, für die auch über 15 Jahre nach der staatlichen Einigung die innere Einheit eine Aufgabe ist. In einem größeren Rahmen ist aber hier auch Europa gemeint, das nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, der es in der Mitte teilte, die Einigung vorantreibt. Seit vielen Jahrzehnten gehören auch dazu die Einwandererfamilien, die nach Deutschland gekommen sind, um zu bleiben. Ihren Kindern und Kindeskindern, den vielen Schüler/innen nichtdeutscher Herkunft gilt es ein echtes Integrationsangebot zu machen, Begabungsreserven zu mobilisieren, ihren Anteil an den Absolventen der höheren Bildungsabschlüsse zu erhöhen.

In dem reichen, vielgestaltigen Leben Willy-Brandt 1913-1992 zeigt sich das deutsche 20. Jahrhundert: als Arbeiterkind in die Gesellschaft des Kaiserreiches hineingeboren, Zeuge der Zerstörung der ersten deutschen Demokratie, gelang ihm der Aufstieg zum wichtigsten deutschen Regierungsamt. In seinen vielen Rollen handelte er klar nach seinen politischen Überzeugungen: im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, als langjähriger Vorsitzender der SPD und Präsident der Sozialistischen Internationale und als Architekt der Ostverträge. Nach dem scheinbaren Höhe- und Endpunkt seiner Laufbahn wirkte Willy Brandt als Präsident der Nord-Süd-Kommission in der Erkenntnis, dass Frieden nur durch Gerechtigkeit und Entwicklung der weniger privilegierten Länder gewahrt werden kann. Dass nichts so bleiben muss wie es war, dass Menschen die Verhältnisse ändern können, zeigt Willy Brandts Biographie. Und es kann der Grund sein, ein – diese – Schule mit seinem Namen zu benennen.