Tuum Sommer 2012 — Ein Reisebericht

von Ali­na Schil­le

Nach einem 10 stün­di­gen Flug und der Fest­stel­lung, dass unser Gepäck irgend­wo nur nicht bei uns war, war ich viel zu müde ‚um die ers­ten Ein­drü­cke in Kenia rich­tig wahr­zu­neh­men. Da wir die ers­ten drei Tage auf unser Gepäck war­te­ten und somit nicht wei­ter nach Tuum fah­ren konn­ten, ver­brach­ten wir die Tage im Shade Hotel in Nai­ro­bi. Die Fahrt zum Super­markt war somit das span­nends­te was wir in den ers­ten Tagen erleb­ten. Mir fiel es schwer zu rea­li­sie­ren, dass wir tat­säch­lich in Kenia waren und all das, was wir sahen, Wirk­lich­keit war. Mir kam es eher so vor als wür­de ich mir eine Doku­men­ta­ti­on angu­cken. Es fiel mir extrem schwer mich in die Lage der Leu­te dort zu ver­set­zen und auch Par­al­le­len zu Deutsch­land gab es mei­ner Mei­nung nach nicht. Auch wenn Nai­ro­bi sich so sehr von unse­rer Hei­mat unter­schied, hat­te ich trotz­dem nicht das Gefühl in dem Afri­ka zu sein, das ich mir vor­ge­stellt hat­te. Ich merk­te schnell, dass das noch kom­men wür­de, denn je wei­ter wir uns von Nai­ro­bi, der Haupt­stadt Keni­as, ent­fern­ten, des­to näher kamen wir mei­ner Vorstellung.Mit voll­stän­di­gem Gepäck fuh­ren wir schließ­lich nach Nyahur­u­ru. Auf dem Weg sahen wir die ers­ten man­yat­tas und Leu­te in tra­di­tio­nel­ler Klei­dung. Dort ange­kom­men, fuh­ren wir zum Markt um uns Lebens­mit­tel für den Auf­ent­halt in Tuum zu kau­fen. Dort erlitt ich mei­nen ers­ten rich­ti­gen Kul­tur­schock. Ich den­ke, wenn wir an unse­ren letz­ten Tagen in Kenia dort gewe­sen wären, wäre es halb so scho­ckie­rend und fas­zi­nie­rend gewe­sen. Neben Second-Hand-Klei­der­stän­den gab es ziem­lich viel an Obst und Gemü­se, wel­ches in Kom­bi­na­ti­on mit dem Abfall ‚der über­all rum­lag ‚für schlech­te Luft sorg­te. Die neu­gie­ri­gen Bli­cke der Ein­hei­mi­schen führ­ten dazu, dass ich mich fremd fühl­te und ich ver­mu­te ‚den ande­ren, aus­ge­nom­men Herrn Hopf, der im Lau­fe der Jah­re einen guten Bezug zu den Ein­hei­mi­schen ent­wi­ckeln konn­te, erging es genau­so.

Über Mar­al­al und Bara­goi ging es dann wei­ter nach Tuum. Auf dem Weg besich­tig­ten wir bereits eini­ge Schu­len und konn­ten uns einen ers­ten Ein­druck von kenia­ni­schen Schu­len machen. Die ers­te Unter­richt­stun­de beginnt um 04.30 Uhr (!) was womög­lich der Alp­traum eines jeden Schü­lers ist. Auch mit der Tat­sa­che, dass die Schü­ler nur in den Feri­en nach Hau­se dür­fen, konn­te ich mich nicht anfreun­den. Doch ich ver­mu­te, dass auch das eine Sache der Gewöh­nung ist.

Die Land­schaft und die Tie­re, die uns auf unse­rem Weg begeg­ne­ten, waren zwar sehr beein­dru­ckend, trotz­dem war ich froh, nach sehr lan­gem Fah­ren in Tuum ange­kom­men zu sein. Denn mich inter­es­sier­ten neben der Natur viel mehr die Kul­tur und das Leben der Men­schen dort.

Über unse­re Hüt­te (Dusche und Toi­let­te) konn­te man nicht meckern. Schon nach eini­gen Minu­ten unse­res Auf­ent­halts ver­sam­mel­te sich eine Grup­pe Kin­der vor unse­rem Tor. Uns war nicht klar, dass wir die­ses Bild inkl. Gesang öfter sehen und hören wür­den. Von da an stan­den die Kin­der von früh bis spät vor unse­rem Zaun,hoffend,etwas Ess­ba­res zu bekom­men…

Am nächs­ten Tag mach­ten wir uns auf den Weg zur Pri­ma­ry School Tuum. An der Schu­le muss zwar noch eini­ges gemacht wer­den, trotz­dem fand ich, dass das Pro­jekt sich sehen las­sen kann. Es wur­de bereits eine Men­ge erreicht und ich hof­fe, es wird in Zukunft noch so eini­ges hin­zu­kom­men.

Frau Becker, die vor 2 Jah­ren Jahr eben­falls in Tuum war, hat­te Jana dar­um gebe­ten, ‚einen Brief­kon­takt zu ihrer eige­nen Klas­sen auf­zu­bau­en. Wir began­nen damit, gemein­sam mit dem sieb­ten Jahr­gang der Pri­ma­ry School, auf­zu­schrei­ben ‚was in einen Brief hin­ein muss. Jana ver­teil­te die aus Deutsch­land mit­ge­brach­ten Fotos von Frau Beckers Klas­se auf dem Tisch, damit jeder Schü­ler die Mög­lich­keit hat­te, sich sei­nen Brief­freund sel­ber aus­zu­su­chen. In der Zwi­schen­zeit foto­gra­fier­te ich die­je­ni­gen, die sich bereits für jeman­den ent­schie­den hat­ten, damit die deut­schen Schü­ler eben­falls eine Vor­stel­lung davon hat­ten, mit wem sie in Zukunft eine hof­fent­lich lan­ge anhal­ten­de Brief­freund­schaft füh­ren wür­den.. Den Kin­dern hat es sicht­lich Spaß gemacht die Brie­fe zu schrei­ben und zu gestal­ten.

Herr Hopf und Herr Seitz hat­ten eben­falls die Gele­gen­heit sich vor die Klas­se zu stel­len und sich als Leh­rer zu behaup­ten. Nicht in der Tuum Pri­ma­ry son­dern in der High School für Mäd­chen in Tuum. Jana und ich assis­tier­ten Herrn Hopf. Wäh­rend Bri­ta, Jür­gens Frau, die­sem Gesell­schaft leis­te­te, denn allei­ne hät­ten sie sich das womög­lich nicht getraut… Es war sehr inter­es­sant zu sehen, wie die Mäd­chen auf die neue, ihnen unbe­kann­te Unter­richts­ge­stal­tung, reagier­ten und was sie dazu bei­tru­gen. Bei­de Unter­richts­stun­den waren ein Erfolg.

Die oft­mals anstren­gen­den Tage und die net­ten Aben­den in Tuum ver­gin­gen wie im Flug und schon bald mach­ten wir uns auf den Weg zu den Thom­sen Falls, von wo wir am nächs­ten Tag unse­re Safa­ri Tour star­ten woll­ten. Mor­gens hol­te uns unser Safa­ri Gui­de am Hotel ab und wir ver­ab­schie­de­ten uns von Herrn Hopf.

Die Tour war groß­ar­tig. Obwohl man fast den gan­zen Tag nur im Safa­ri­au­to saß, war man abends fix und fer­tig durch die neu­en Ein­drü­cke, die uns am Tag über­wäl­tig­ten. Die mit Abstand bes­te Behau­sung die wir in ganz Kenia hat­ten war ein Camp in der Nähe von Mas­sai Mara. Wir schlie­fen in Zel­ten, die von außen nicht son­der­lich groß aus­sa­hen, innen jedoch 2 Dop­pel­bet­ten ste­hen hat­ten. Auch für die end­lich kon­ti­nu­ier­lich warm­blei­ben­de Dusche und das wirk­lich gute Essen waren wir dank­bar.

Unser Kenia­trip ende­te wo er begon­nen hat­te im Shade Hotel in Nai­ro­bi. Nach­dem wir uns am nächs­ten Tag noch die Haupt­stadt Keni­as ange­guckt hat­ten, ging es zum Flug­ha­fen und von dort aus Rich­tung Deutsch­land.